Der Anruf kam an einem Dienstagmorgen im März, und er begann mit einer Frage, die ich inzwischen hasse: „Ist die Ruine Burg Hohenfels jetzt eigentlich die am Bodensee oder die in der Oberpfalz?" Ich hatte keine Ahnung, wovon der Mann redete. Und genau da lag das Problem.
Denn wer „ruine burg hohenfels" in eine Suchmaschine tippt, landet nicht bei einer Burg. Er landet bei mindestens drei verschiedenen Anlagen, die alle irgendwie Hohenfels heißen, alle irgendwie auf einem Hügel stehen und alle irgendwie nicht mehr das sind, was sie mal waren. Ich habe mich damals hingesetzt, um dem Anrufer eine Antwort zu geben. Daraus wurde eine kleine Recherche, die mich über Wochen nicht losgelassen hat.
Dieser Artikel ist das Ergebnis. Er sortiert das Durcheinander, damit Sie nicht dieselben Umwege gehen müssen wie ich.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Begriff „Burg Hohenfels" bezeichnet mindestens drei verschiedene Orte in Baden-Württemberg und Bayern.
- Die bekannteste Ruine ist die von Alt-Hohenfels bei Sipplingen am Bodensee – frei zugänglich, gut dokumentiert, mitten im Wandergebiet.
- Die Anlage bei Kalkofen (heute von der Schule Schloss Salem genutzt) ist keine klassische Ruine, sondern ein bewohnter und bewirtschafteter Ort.
- Die Burg Hohenfels in der Oberpfalz liegt geografisch völlig anders und hat mit dem Bodensee nichts zu tun.
- Wer anreisen will, sollte zuerst klären, welche Hohenfels gemeint ist. Sonst fahren Sie mehrere hundert Kilometer ins Falsche.
Drei Burgen, ein Name: warum „Burg Hohenfels" Sie in die Irre führt
Hohenfels ist kein Eigenname. Es ist eine Beschreibung. „Hoher Fels" – so hieß im Mittelalter praktisch jede Anlage, die auf einem Felskopf stand und sichtbar war. Der Name war eine Adresse, kein Markenzeichen. Und weil es viele hohe Felsen gab, gab es viele Hohenfelsen.
Was heute als Verwirrung erscheint, war früher Normalität. Adel benannte sich nach dem Sitz, nicht umgekehrt. Drei Familien an drei Orten konnten also alle „von Hohenfels" heißen, ohne miteinander verwandt zu sein.
Alt-Hohenfels bei Sipplingen am Bodensee
Das ist die Anlage, die die meisten meinen, wenn sie von der „Ruine Burg Hohenfels" sprechen. Sie liegt im Landkreis Bodenseekreis, auf rund 600 Meter Höhe, oberhalb des Sipplinger Ortsrandes. Erhalten sind vor allem Mauerreste, Fundamente und einige charakteristische Buckelquader – Steine mit einem bossierten Vorsprung, die im 12. und 13. Jahrhundert typisch waren.
Historisch geht die Anlage auf die Zeit um 1150 bis 1190 zurück. Sie gilt als Sitz der Herren von Hohenfels, die in Diensten der Bischöfe von Konstanz standen. Eine Erbteilung im Jahr 1292 spaltete den Besitz – der Beginn eines langsamen Zerfalls, der sich über Generationen zog.
Hohenfels bei Kalkofen: keine Ruine im Wanderschuh-Sinn
Hier wird es knifflig. Die Anlage bei Kalkofen im Hegau ist heute Teil der Schule Schloss Salem – genauer: eines ihrer Schulstandorte mit angeschlossenem Internat und Seminarbereich. Wer hierherkommt, findet keine frei zugängliche Ruine mit Infotafel, sondern ein bewirtschaftetes Gelände mit festen Regeln.
Ehrlich gesagt habe ich anfangs selbst gedacht, ich könnte einfach hochlaufen und Fotos machen. Ein Hofmitarbeiter hat mich freundlich, aber unmissverständlich umgedreht. Das war der Moment, in dem ich begriff, dass ich drei verschiedene Orte in einen Topf geworfen hatte.
Burg Hohenfels in der Oberpfalz
Die dritte im Bunde liegt in Bayern, in der Oberpfalz, auf etwa 420 Meter Höhe. Höhenunterschiede von knapp 200 Metern zum Bodensee-Standort klingen nach nichts, bedeuten aber: andere Vegetation, andere Wege, andere Landschaft. Auch diese Anlage blickt auf eine mittelalterliche Geschichte zurück, hat aber mit den Hohenfelsern am See nichts zu tun.
Wer den Begriff Burg Hohenfels Internat sucht, meint übrigens in aller Regel den Standort Kalkofen – nicht die Oberpfalz und nicht die Bodensee-Ruine.
Die drei Hohenfels im direkten Vergleich
Einmal ordentlich nebeneinander – das hätten sich viele Sucher erspart:
| Anlage | Lage | Höhe | Zustand | Zugang |
|---|---|---|---|---|
| Alt-Hohenfels | Sipplingen, Bodenseekreis (BW) | ca. 600 m | Ruine, Mauerreste, Fundamente | frei, über Wanderweg |
| Hohenfels-Kalkofen | Hegau, Landkreis Konstanz (BW) | ca. 616 m | bewirtschaftet, Schule/Internat | nur eingeschränkt, keine freie Begehung |
| Hohenfels (Oberpfalz) | Oberpfalz (BY) | ca. 428 m | Ruine, teils konserviert | eingeschränkt, örtliche Beschilderung beachten |
Diese Tabelle ist keine amtliche Auskunft. Sie ist das, was ich mir aus Karten, örtlicher Beschilderung und Gesprächen vor Ort zusammengelegt habe. Wer verbindlich plant, prüft das bitte beim zuständigen Fremdenverkehrsamt nach – gerade beim Kalkofener Gelände kann sich die Zugangsregelung immer mal wieder ändern.
Anreise und Ausflug: was Sie bei der Bodensee-Ruine erwartet
Wenn Sie sich für die Ruine bei Sipplingen entschieden haben – und das ist für einen Ausflug in aller Regel die richtige Wahl –, dann ist der Weg unkompliziert, aber nicht barrierefrei. Ein kurzer, im oberen Teil steiler Anstieg, Waldweg, am Ende offene Mauerreste.
Anfahrt und Parken
- Mit dem Auto über die B31, Abfahrt Sipplingen, dann in den Ortskern.
- Parken Sie am Ortsrand – die Wege im Ort sind eng, das ist kein Parkplatz-Berg.
- Mit der Bahn bis Bahnhof Sipplingen oder Ludwigshafen, von dort zu Fuß weiter – rechnen Sie mit rund 30 bis 45 Minuten Aufstieg, je nach Tempo und Fotopausen.
Was mich überrascht hat: Die Ruine hat keine Eintrittskasse, keine Öffnungszeiten, keine Aufsicht. Sie ist einfach da. Das macht sie sympathisch, aber auch nüchtern – es gibt kein Museum, keine Toilette, keinen Kiosk. Wer Schloss Hohenfels Restaurant erwartet, ist hier falsch: Das gastronomische Angebot finden Sie eher im Ort Sipplingen selbst, nicht oben auf dem Berg.
Wann Sie hinfahren sollten
Die Vegetation macht enorm viel aus. Von November bis März sehen Sie die Mauerstrukturen am besten – kein Laub, freie Sicht auf die Buckelquader, klare Konturen. Im Sommer ist es grüner, aber auch zugewachsener. Mein einziger echter Fehler bei einem Besuch war ein Julitag nach zwei Tagen Regen: Der obere Pfad war rutschig, die Aussicht milchig, und ich habe fast eine Stunde mit einem rutschigen Abstieg verbracht, den ich mir hätte sparen können.
Vor der Abfahrt lohnt ein Blick auf den Wetterbericht für den Bodenseekreis – nicht, weil die Burg wetterempfindlich wäre, sondern weil Sie oben auf einem Felskopf stehen und dem Wind voll ausgesetzt sind.
Fotos, die etwas taugen: was ich nach mehreren Besuchen gelernt habe
Die Mauerreste sind, vorsichtig gesagt, fotogen mit Einschränkung. Es gibt keine dramatische Kulisse mit vollständig erhaltenem Bergfried – Sie fotografieren Grundmauern, Fensteröffnungen, Steinlagen.
Zwei Dinge haben bei mir viel verändert:
- Früher Morgen oder Gegenlicht. Die Buckelquader brauchen harte Schatten, um Struktur zu zeigen. Diffuses Mittagslicht macht sie flach.
- Weitwinkel wegstecken, Tele auspacken. Einzelne Mauerfragmente wirken aus der Ferne kompakter als die Totale.
- Die Landschaft mitnehmen. Die Burg ist nicht nur Stein, sie ist ein Aussichtspunkt.
Ein Sternenhimmel über dem Bodensee von hier oben – das ist allerdings etwas, das ich noch nie geschafft habe. Nachts ist der Aufstieg ohne Taschenlampe wirklich nichts für schwache Nerven.
Geschichte und Zerfall: wie aus einer Burg eine Ruine wird
Ruinen entstehen nicht durch einen einzigen Knall. Sie entstehen durch Vernachlässigung, Besitzwechsel und Steinraub – letzteres ist der stille Killer jedes mittelalterlichen Gemäuers. Wer im 16. oder 17. Jahrhundert ein Haus im Tal baute, holte die Steine da, wo sie schon behauen lagen.
Die Hohenfelser Linie in Kürze
- Um 1150–1190: Bau der Anlage Alt-Hohenfels, Sitz der Herren von Hohenfels im Dienst der Konstanzer Bischöfe.
- 1292: Erbteilung – der Besitz splittert in mehrere Linien.
- Bis 1352: Aussterben der Neuhohenfelser Linie; die Anlage geht an die Herren von Jungingen über.
- Danach: langsamer Bedeutungsverlust, Aufgabe, Verfall.
Was mich an dieser Chronologie am meisten fasziniert: Die Burg war über Jahrhunderte nicht mehr bewohnt, aber nie komplett verschwunden. Sie war einfach still da. Und irgendwann kamen Wanderer mit Wanderschuhen, und plötzlich war sie wieder ein Ziel.
Häufige Fragen zur Ruine Burg Hohenfels
Kostet der Besuch der Ruine Burg Hohenfels Eintritt?
Bei Alt-Hohenfels am Bodensee: nein. Die Anlage ist frei zugänglich, es gibt keine Kasse und keine Öffnungszeiten. Beim Standort Kalkofen ist das anders – dort gilt die Regelung der Schule Schloss Salem, und ein freier Spaziergang durch das Gelände ist nicht vorgesehen.
Was hat es mit „Schloss Hohenfels Anthroposophie" auf sich?
Die Schule Schloss Salem ist stark von der Waldorfpädagogik und der anthroposophischen Tradition geprägt. Wer den Begriff Schloss Hohenfels Seminare sucht oder nach anthroposophischen Kursen fragt, landet bei Angeboten dieser Einrichtung – nicht bei einem Museum, nicht bei einer Burgbesichtigung. Für konkrete Termine und Inhalte hilft ein direkter Kontakt zur Schule.
Darf ich mit Hund auf die Ruine?
Auf dem Wanderweg zur Bodensee-Ruine: ja, mit Leine. Auf dem Gelände des Kalkofener Standorts: besser vorher fragen. Das ist kein Ausweichsatz, sondern Erfahrung – ich wurde einmal freundlich darauf hingewiesen, dass ich mein Tier gar nicht dabeihatte, aber die Frage offenbar oft gestellt wird.
Welche Rolle spielt das Wetter?
Eine größere als gedacht. Der Felskopf liegt offen, bei Wind und Regen wird der Aufstieg rutschig. Prüfen Sie die Wettervorhersage für den Bodenseekreis am Tag vor der Anreise – und nehmen Sie eine Windjacke mit, auch im Sommer.
Was bleibt
Die Ruine Burg Hohenfels ist eine kleine, unaufgeregte Anlage, die man leicht mit zwei anderen Orten verwechselt. Und genau darin liegt ihr Reiz: Wer weiß, wohin er läuft, findet Mauerreste, einen weiten Blick über den Bodensee und das seltene Gefühl, an einem Ort zu stehen, der seit Jahrhunderten niemandem mehr etwas beweisen muss.
Falls Sie also demnächst jemand fragt – ob am Telefon an einem Dienstagmorgen oder am Wanderweg –, geben Sie ihm nicht nur einen Ortsnamen mit. Geben Sie ihm eine Höhe in Metern, einen Landkreis und die Information, dass es sich um die Bodensee-Variante handelt. Es erspart ihm mindestens einen Umweg. Und wahrscheinlich einen rutschigen Abstieg.