Als ich vor Jahren anfing, mich ernsthaft mit Reis zu beschäftigen, dachte ich, ich hätte es verstanden. Langkorn für Beilage, Rundkorn für Milchreis, fertig. Dann stand ich in einem Asia-Laden in Berlin und zählte 37 verschiedene Tüten. Mir wurde klar: Ich hatte keine Ahnung.
Inzwischen habe ich über 60 Sorten probiert, Kochbücher verschlungen und mehr als einmal Abendessen ruiniert, weil ich dachte, Jasmin sei dasselbe wie Basmati. Spoiler: Ist es nicht.
Wenn Sie nur einen Satz mitnehmen: Es gibt nicht den einen besten Reis. Die Wahl hängt davon ab, was Sie kochen – und wofür Sie Ihr Geld ausgeben wollen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Reiskorngröße (Langkorn, Mittelkorn, Rundkorn) bestimmt, wie der Reis nach dem Kochen wird: locker, saftig oder klebrig
- Basmati passt zu Currys, Jasmin zu asiatischen Pfannengerichten, Arborio wird cremig – jede Sorte hat ihren Zweck
- Vollkornreis ist die gesündeste Wahl: Vitamine, Ballaststoffe und Aminosäuren stecken in der Schale
- Stiftung Warentest fand in fast jedem Reis Spuren von Arsen – gründliches Waschen und viel Wasser hilft
- Parboiled Reis ist kein Naturreis, aber nährstoffreicher als weißer Reis, weil Vitamine ins Korn gepresst werden
Warum Reiskorngröße alles bestimmt
Der entscheidende Faktor ist nicht der Name auf der Packung, sondern die Form des Korns. Klingt banal, ist aber der Schlüssel zu allem. Langkornreis ist lang und schlank, er hat wenig Stärke – und bleibt beim Kochen schön locker. Rundkornreis dagegen quillt beim Kochen stark auf und wird weich und klebrig.
Mittelkorn liegt irgendwo dazwischen. Und dann gibt es noch die Spezialisten, die sich jeder einfachen Kategorie entziehen.
Langkorn: Der Allrounder, der nicht zusammenklebt
Wenn Sie Reis als Beilage servieren, nehmen Sie Langkorn. Das klassische Beispiel ist Basmati, auch Duftreis genannt – angebaut hauptsächlich in Indien und Pakistan am Fuße des Himalaya. Sein leicht nussiges Aroma macht ihn zur ersten Wahl für Currys und indische Gerichte.
Jasminreis kommt aus Thailand und ist das Gegenstück für die asiatische Küche. Er hat ein blumiges Aroma und wird etwas klebriger als Basmati. Lassen Sie mich raten: Sie haben schon einmal Jasmin für ein Curry gekauft, weil die Tüte hübscher war. Ich auch. Ergebnis: Der Reis hat das Curry erschlagen, statt es zu begleiten.
Rundkorn: Für Pudding, Sushi und alles, was kleben soll
Rundkornreis gibt viel Stärke ab – das macht ihn perfekt für Milchreis, Sushi oder Paella. Im deutschen Supermarkt findet man meist einfachen Rundkorn, der für Milchreis gut ist. Wer Sushi machen will, greift zu speziellem Sushi-Reis, der nach dem Kochen perfekt zusammenklebt, aber trotzdem jedes Korn einzeln erkennbar bleibt.
Das ist ein Unterschied, den man in der Küche spürt, wenn man ihn einmal gemacht hat.
Die großen Klassiker im Detail
Es gibt über 40.000 Reissorten weltweit – auf dem deutschen Markt landen aber nur ein paar Dutzend. Die wichtigsten lernen Sie hier kennen.
Basmati: Der Duftreis aus dem Himalaya
Basmati ist mein persönlicher Favorit. Er hat ein leicht nussiges Aroma, das nach dem Kochen noch besser wird. Wichtig: Basmati vor dem Kochen gründlich waschen, bis das Wasser klar ist. Das entfernt überschüssige Stärke – der Reis wird lockerer und klebt nicht.
Ein Fehler, den ich am Anfang gemacht habe: Basmati wie normale Nudeln in viel Wasser gekocht und dann abgegossen. Das wäscht die Aromen aus. Besser ist die Quellmethode: 1 Teil Reis, 1,5 Teile Wasser, Deckel drauf, und nach dem Kochen 10 Minuten ruhen lassen.
Jasmin: Der Duftreis aus Thailand
Jasminreis ist in Südostasien das, was Basmati in Indien ist. Er wird leicht klebrig und hat ein blumiges Aroma, das an Pandan erinnert. Perfekt zu Wok-Gerichten, Thai-Currys und allen Gerichten, bei denen die Soße am Reis haften soll.
Vollkornreis: Der Gesunde mit Biss
Hier stecken alle Vitamine, Ballaststoffe und essenziellen Aminosäuren in der Schale – im Gegensatz zum weißen polierten Reis, bei dem die Schale entfernt wurde. Vollkornreis hat eine längere Garzeit und bleibt schön bissfest.
Der Geschmack ist kräftiger und nussiger als beim weißen Reis. Aber Achtung: Vollkornreis kann ranzig werden, wenn man ihn zu lange lagert – die Öle in der Schale oxidieren. Kaufen Sie ihn in kleinen Mengen und verbrauchen Sie ihn schnell.
Parboiled: Der Kompromiss
Parboiled Reis wird vor dem Schälen gedämpft. Dadurch werden Vitamine aus der Schale ins Korn gepresst. Er bleibt nach dem Kochen schön körnig, klebt nicht und ist nährstoffreicher als weißer Reis – aber nicht so gesund wie Vollkorn.
Wer Reis für die Beilage am Sonntag sucht und nicht ständig in den Supermarkt rennen will: Parboiled hält das Korn auch mal 20 Minuten im Topf aus, ohne matschig zu werden. Ich nutze ihn für Meal Prep, weil er auch aufgewärmt noch gut schmeckt.
Welche Reissorte ist die beste?
Es gibt nicht die eine beste Reissorte – die Wahl hängt von Ihrem Gericht und Ihrem Geschmack ab. Basmati-Reis passt gut zu Currys, Jasmin-Reis zu asiatischen Pfannengerichten, Arborio bzw. Risottoreis wird cremig und Vollkornreis liefert die meisten Nährstoffe.
Die besten Sorten für Ihre Gerichte
| Reissorte | Kornform | Beste Verwendung | Garzeit |
|---|---|---|---|
| Basmati | Langkorn | Currys, indische Gerichte, Beilage | 12–15 Min. |
| Jasmin | Langkorn | Thai-Curry, Wok-Gerichte | 12–15 Min. |
| Arborio | Rundkorn | Risotto, cremige Gerichte | 18–20 Min. |
| Vollkorn | Langkorn oder Rundkorn | Gesunde Beilage, Salate | 30–40 Min. |
| Sushi-Reis | Rundkorn | Sushi, Onigiri | 20 Min. |
| Milchreis | Rundkorn | Süßspeisen, Pudding | 25–30 Min. |
| Wildreis | Langkorn (botanisch kein Reis) | Salate, festliche Beilagen | 40–45 Min. |
Der Risottoreis: Nicht alle sind gleich
Arborio ist der bekannteste Risottoreis, aber es gibt bessere. Carnaroli gilt bei italienischen Köchen als der König des Risotto: Die Körner bleiben beim Kochen besser im Biss und geben trotzdem genug Stärke ab, um die typische Cremigkeit zu erzeugen – die Säure im Wein bricht das Korn nicht so schnell auf.
Ich habe beides ausprobiert, Seite an Seite, mit demselben Rezept. Der Unterschied war deutlich: Carnaroli war cremiger, ohne matschig zu sein. Seitdem nehme ich für besondere Anlässe Carnaroli. Für den Alltag reicht auch Arborio.
Das Arsen-Problem: Muss ich mir Sorgen machen?
Ja und nein. Die Stiftung Warentest hat 40 Reisprodukte getestet und nur vier sind gut. Sieben sind deutlich mit Schwermetallen belastet. Dabei geht es vor allem um Arsen, das der Reis aus dem Boden aufnimmt. Fast jeder Reis enthält Spuren davon.
Sie können die Belastung senken: den Reis vor dem Kochen gründlich waschen und in reichlich Wasser garen. Das habe ich mir zur Gewohnheit gemacht. Auch wenn es etwas mehr Zeit kostet – für mich ist das ein einfacher Weg, das Risiko zu minimieren.
Welche Sorten sind am wenigsten belastet?
Die Testergebnisse zeigen Unterschiede zwischen den Sorten. Vollkornreis enthält tendenziell mehr Arsen als weißer Reis, weil Arsen sich in der Schale anreichert – die ja beim Vollkorn dranbleibt. Wer täglich Reis isst, sollte auf Abwechslung setzen und nicht jeden Tag dieselbe Sorte konsumieren.
Und noch ein Tipp aus eigener Erfahrung: Basmati aus dem Himalaya-Gebiet ist meist geringer belastet als Reis aus anderen Regionen, weil die Böden dort weniger Arsen enthalten. Das bestätigen auch regelmäßige Tests unabhängiger Labore.
Die 5 gesündesten Reissorten der Welt
Nach meiner Recherche und dem, was der Reishunger-Blog und die Testergebnisse der Stiftung Warentest zeigen, sind das die gesündesten Optionen:
- Vollkorn Basmati: Alle Vitamine, Ballaststoffe und essenziellen Aminosäuren stecken in der Schale des Reiskorns, die beim Vollkorn Basmati erhalten bleibt.
- Schwarzer Reis: Enthält Anthocyane – die gleichen Antioxidantien wie in Blaubeeren. Hat einen nussigen Geschmack und färbt beim Kochen violett.
- Roter Reis: Die rote Schale enthält viele Ballaststoffe und Mineralstoffe. Schmeckt kräftig und erdig, passt gut zu Pilzgerichten.
- Wildreis: Botanisch gesehen ein Wassergras, aber kulinarisch ein Reis. Enthält doppelt so viel Protein wie weißer Reis und viel Magnesium.
- Vollkorn Jasmin: Die gesündere Variante des beliebten Duftreises – mit dem typischen Aroma, aber allen Nährstoffen der Schale.
Reissorten im Test: Was Stiftung Warentest herausfand
Stiftung Warentest hat 40 Reisprodukte getestet – und das Ergebnis ist ernüchternd. Nur vier schnitten wirklich gut ab, sieben waren deutlich mit Schwermetallen belastet. Das zeigt: Die Marke ist kein Qualitätsindikator. Es kommt auf die Sorte, die Herkunft und die Verarbeitung an.
Was Sie beim Kauf beachten sollten
Ein paar Dinge habe ich durch eigene Fehler gelernt. Erstens: Der Preis sagt wenig über die Qualität aus. Eine Discounter-Eigenmarke kann besser sein als eine teure Marke – wenn die Sorte stimmt und die Herkunft kontrolliert ist.
Zweitens: Achten Sie auf die Herkunftsangabe. Reis aus der EU unterliegt strengeren Kontrollen als Importware. Drittens: Kaufen Sie transparente Verpackungen, damit Sie das Korn sehen können. Gebrochene Körner oder viel Mehl in der Tüte sind ein Zeichen für minderwertige Qualität.
Reiskochen wie ein Profi: Meine Methode
Ich habe Jahre gebraucht, um das hinzubekommen. Aber seitdem gelingt mir jeder Reis – egal ob Basmati, Jasmin oder Vollkorn.
- Waschen: Den Reis in ein Sieb geben und so lange unter fließendem Wasser waschen, bis das Wasser klar ist. Das entfernt überschüssige Stärke und reduziert Arsen.
- Einweichen: Basmati und Jasmin 20–30 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Das verkürzt die Garzeit und macht die Körner länger.
- Richtiges Verhältnis: 1 Teil Reis, 1,5 Teile Wasser für Langkorn. Für Rundkorn 1:1, für Vollkorn 1:2.
- Deckel drauf, Hitze runter: Sobald das Wasser kocht, die Hitze auf niedrigste Stufe reduzieren und den Deckel geschlossen lassen.
- Ruhen lassen: Nach dem Kochen den Herd ausmachen und den Reis 10 Minuten ruhen lassen. Dann mit einer Gabel auflockern.
Der wichtigste Tipp, den ich Ihnen geben kann: Nach dem Kochen den Reis nicht umrühren – das macht ihn matschig. Nur mit einer Gabel vorsichtig auflockern.
Welche Reissorte passt zu welchem Gericht?
Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird. Hier ist meine kurze Antwort:
- Curry: Basmati – der duftet herrlich und nimmt die Soße auf, ohne matschig zu werden.
- Wok-Gerichte: Jasmin – klebt leicht, sodass man ihn mit Stäbchen gut essen kann.
- Risotto: Arborio oder Carnaroli – beide geben viel Stärke ab und werden cremig.
- Sushi: Spezieller Sushi-Reis – klebt perfekt und schmeckt leicht süßlich.
- Milchreis: Rundkornreis – wird schön weich und cremig.
- Salat: Vollkorn oder Wildreis – bleibt bissfest und nimmt Dressing gut auf.
- Beilage zu Fleisch: Parboiled – bleibt locker und neutral.
Und noch etwas habe ich gelernt: Die Reissorte ist nicht nur eine Frage des Geschmacks, sondern auch des Geldes. Ein guter Basmati kostet oft das Doppelte von billigem Langkornreis – aber der Unterschied im Aroma ist es wert. Für Alltagsgerichte nehme ich Parboiled, für besondere Anlässe Basmati oder Jasmin.
Reis ist das meistgegessene Grundnahrungsmittel der Welt, und die Vielfalt ist überwältigend. Aber Sie brauchen nicht 40.000 Sorten zu kennen – die wichtigsten 10 decken 95 % aller Gerichte ab. Fangen Sie mit Basmati, Jasmin und einem guten Vollkorn an, und Sie sind für die meisten Küchen gerüstet.
Der Rest ist Experimentierfreude. Und glauben Sie mir: Wer einmal frisch gekochten Basmati mit einem guten Curry gegessen hat, kommt nie wieder zu dem staubigen Beutelreis aus dem Regal zurück.