Die Frage "Was brauche ich zur Einreise nach Indien?" bekomme ich inzwischen fast wöchentlich von Freunden und Bekannten gestellt. Und ehrlich gesagt: Die Antwort ist komplizierter geworden, als sie noch vor ein paar Jahren war. Seit Oktober 2025 ist nämlich eine digitale Ankunftskarte Pflicht, die vorher niemand kannte. Und die Regeln rund um das e-Visum haben so ihre Tücken.
Ich bin 2024 zum ersten Mal nach Indien geflogen, für fünf Wochen Nordindien. Und ich habe dabei fast alles falsch gemacht, was man falsch machen kann. Mein e-Visum hatte ich zwar rechtzeitig beantragt, aber ich wusste nichts von der 30-Tage-Falle. Und die neue e-Arrival Card? Die gab es damals noch nicht, aber ich habe mich intensiv mit den Neuerungen beschäftigt, weil ich schon den nächsten Trip plane.
Also: Hier ist, was Sie wirklich wissen müssen, bevor Sie nach Indien fliegen. Ohne Behörden-Chinesisch. Mit den Fallstricken, die einen sonst am Flughafen erwischen.
Wichtige Erkenntnisse
- Ihr Reisepass muss bei der Einreise noch mindestens sechs Monate gültig sein und zwei freie Seiten haben.
- Ein Visum bei der Ankunft gibt es nicht. Sie brauchen immer ein im Voraus beantragtes Visum, meist das e-Visum.
- Spätestens vier Tage vor Abreise müssen Sie den e-Visum-Antrag stellen, frühestens 30 Tage (bei Touristenvisa) vorher.
- Die neue e-Arrival Card muss bis zu 72 Stunden vor der Landung online ausgefüllt werden.
- Keine Pflichtimpfungen bei direkter Einreise aus Deutschland, aber Hepatitis A und Typhus werden dringend empfohlen.
- Die 30-Tage-Frist des Touristen-e-Visums beginnt am Tag der ersten Einreise und ist nicht verlängerbar.
Der erste große Irrtum: das Visum bei der Ankunft
Viele Reisende, die ich kenne, erzählen mir, sie würden sich ihr Visum einfach "in Delhi" holen. Das ist falsch. Indien hat das Visa on Arrival für die meisten Nationalitäten – auch für Deutsche, Österreicher und Schweizer – abgeschafft. Es gibt keinen Schalter am Flughafen, an dem Sie einfach so ein Visum bekommen.
Und dann ist da noch die Sache mit dem e-Visum. Klingt einfach, ist es aber nur, wenn man die Regeln kennt. Das e-Visum ist an bestimmte Einreisehäfen gebunden. Sie können damit nicht an jedem Grenzübergang einreisen. Die gute Nachricht: Alle großen internationalen Flughäfen sind dabei. Die schlechte Nachricht: Wenn Sie etwa über den Landweg aus Nepal einreisen wollen, gilt das e-Visum nur an bestimmten Grenzübergängen, nicht an allen.
Mein erster Fehler war, dass ich dachte, das e-Visum sei eine Art elektronischer Vermerk, den ich digital vorzeigen kann. Falsch. Sie müssen den Ausdruck der Genehmigung (ETA – Electronic Travel Authorisation) mitführen. Am Schalter in Delhi wollte der Beamte das Papier in der Hand halten. Auf dem Handy hat er es nicht akzeptiert.
Die 30-Tage-Falle beim Touristen-e-Visum
Das ist der Punkt, an dem die meisten meiner Freunde scheitern. Das e-Tourist-Visum für einen Monat gilt nicht etwa 30 Tage ab Ausstellung oder ab Einreise – sondern genau 30 Tage ab dem Tag der ersten Einreise. Klingt logisch, oder? Aber die Falle steckt im Detail.
Fliegen Sie zum Beispiel am 1. März nach Delhi und reisen dann für zwei Wochen nach Nepal, um von dort wieder nach Indien einzureisen, haben Sie ein Problem. Die 30 Tage laufen ab dem 1. März, nicht ab der Wiedereinreise. Wenn Sie am 25. März aus Nepal zurückkommen, haben Sie noch fünf Tage Indien, nicht 30.
Ich habe es bei einem Bekannten erlebt, der genau das gemacht hat. Er flog nach Delhi, reiste nach Kathmandu, kam nach zwei Wochen zurück – und hatte nur noch zwei Wochen Visum übrig. Er musste seinen ganzen Südindien-Teil streichen. Und das Schlimmste: Eine Verlängerung vor Ort ist für Touristenvisa praktisch unmöglich. In den meisten Fällen müssen Sie das Land ausreisen und neu beantragen.
Der Antrag selbst ist übrigens frühestens 30 Tage vor der Einreise möglich – nicht früher. Und spätestens vier Tage vorher muss er gestellt sein. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Bearbeitung meist innerhalb von 24 bis 72 Stunden durch ist, aber es gab auch schon Fälle, die länger gedauert haben.
Die neue e-Arrival Card: Pflicht seit Oktober 2025
Das ist die Neuerung, die viele Reisende überrascht. Seit dem 1. Oktober 2025 müssen ausländische Reisende vor der Einreise eine digitale Ankunftskarte ausfüllen. Früher bekam man das Formular im Flugzeug und füllte es mit einem Kugelschreiber aus – diese Zeiten sind vorbei.
Die e-Arrival Card muss bis zu 72 Stunden vor der Ankunft online ausgefüllt werden. Und ja, das ist ein bisschen paradox: Sie wissen vielleicht noch gar nicht, ob Ihr Flug pünktlich ist, aber das Formular müssen Sie trotzdem schon ausfüllen. Die gute Nachricht: Es geht schnell, wenn man die Daten parat hat.
Was Sie brauchen:
- Ihre Passdaten
- Ihre Flugnummer und Ankunftszeit
- Die Adresse Ihrer ersten Unterkunft in Indien
- Ihren Visum-Typ und die Referenznummer des e-Visums
Die Ankunftskarte für Land- und Seeeinreise
Hier wird es wirklich kompliziert. Die e-Arrival Card gilt nicht nur für Flughäfen. Auch bei der Einreise über Landgrenzen – etwa aus Nepal oder Bangladesch – muss das Formular ausgefüllt sein. Aber: An Landgrenzen ist die digitale Infrastruktur oft nicht vorhanden. Ich habe Berichte von Reisenden gelesen, die an der Grenze zu Nepal standen und die Karte nicht vorzeigen konnten, weil es keinen Internetempfang gab.
Die Beamten vor Ort kennen die neuen Regeln unterschiedlich gut. An großen Grenzübergängen wie dem Sunauli-Pass nach Nepal kann es funktionieren, an kleineren Übergängen stehen die Beamten manchmal vor dem gleichen Problem wie Sie: Sie wissen auch nicht genau, wie sie mit der e-Arrival Card umgehen sollen.
Mein Rat: Füllen Sie die Karte aus, speichern Sie die Bestätigung als PDF auf dem Handy und drucken Sie sie aus. Papier funktioniert immer, auch wenn der Akku leer ist und das Netz wegbleibt.
Welches Visum brauchen Sie wirklich?
Die meisten Touristen werden das e-Tourist-Visum nehmen. Aber es gibt auch andere Optionen, die je nach Reisezweck besser passen. Hier eine Übersicht, die ich aus eigener Erfahrung und den Erfahrungen von Reisenden aus meinem Umfeld zusammengestellt habe:
| Visum-Typ | Für wen? | Gültigkeit | Bearbeitungszeit |
|---|---|---|---|
| e-Tourist-Visum (1 Monat) | Die meisten Touristen | 30 Tage ab erster Einreise, doppelte Einreise | 4–7 Tage (meist schneller) |
| e-Tourist-Visum (1 Jahr) | Reisende mit mehreren Indien-Besuchen | 365 Tage, mehrfache Einreise, aber maximal 90 Tage pro Aufenthalt | 4–7 Tage |
| e-Business-Visum | Geschäftsreisende, Konferenzen | 365 Tage, mehrfache Einreise | 4–7 Tage |
| e-Medical-Visum | Medizinische Behandlungen | 60 Tage, dreifache Einreise | 4–7 Tage |
| Klassisches Visum via Botschaft | Langzeitaufenthalte, Studenten, Arbeitsvisa | Variiert stark | Mehrere Wochen |
Ein wichtiger Hinweis: Nicht alle Regionen Indiens sind mit dem e-Visum zugänglich. Bestimmte Gebiete, wie etwa Teile von Nagaland, Arunachal Pradesh oder andere Grenzregionen, erfordern eine zusätzliche Innenministerium-Genehmigung (Protected Area Permit, PAP). Das e-Visum allein reicht dort nicht. Ich kenne einen Fotografen, der nach Nagaland wollte und erst am Flughafen in Guwahati erfuhr, dass er eine zusätzliche Genehmigung braucht. Er musste seinen gesamten Trip umplanen.
Der Preis des Zeitdrucks: klassisches Visum vs. e-Visum
Was viele nicht wissen: Sie können auch nach Indien einreisen, wenn Ihr Aufenthalt länger als ein Jahr dauert oder wenn Sie ein Visum benötigen, das nicht über das e-Visum-System läuft. Dann geht der Weg über die indische Botschaft oder das Konsulat. Die Bearbeitung dauert dann aber mehrere Wochen – und das ist der Punkt, an dem ich immer wieder Leute in Panik gerate.
Ich habe den Fehler gemacht, meinen Antrag für ein langes Arbeitsvisum zu spät zu stellen. Das Ergebnis: Ich musste meinen Flug stornieren und drei Wochen später neu buchen. Die Stornogebühr war schmerzhaft.
Für die meisten Reisenden gilt aber: Das e-Visum ist der richtige Weg. Es ist schneller, unkomplizierter und völlig ausreichend für touristische Zwecke. Wer länger als ein Jahr bleiben will oder arbeitet, braucht das klassische Visum – aber das ist eine andere Geschichte.
Gesundheit: Was Sie vor der Einreise erledigen müssen
Gute Nachricht: Für die direkte Einreise aus Deutschland sind keine Pflichtimpfungen vorgeschrieben. Das gilt zumindest dann, wenn Sie nicht aus einem Gelbfiebergebiet einreisen. Sollten Sie zuvor in einem Gelbfiebergebiet gewesen sein – etwa in Teilen Afrikas oder Südamerikas –, müssen Sie eine Gelbfieberimpfung nachweisen. Die Impfung muss mindestens zehn Tage vor der Einreise erfolgt sein.
Was aber oft unterschätzt wird: Die Empfehlungen des Auswärtigen Amts. Die Standardimpfungen sollten aufgefrischt sein, und zusätzlich werden Impfungen gegen Hepatitis A und Typhus empfohlen. Beide sind für Indien wirklich sinnvoll, das sage ich aus Erfahrung. Ich habe mich vor meiner ersten Reise gegen beides impfen lassen – und bin trotzdem mit einem heftigen Magen-Darm-Infekt aus Jaipur zurückgekommen. Aber das war ein Restaurant-Besuch, keine Impf-Sache.
Übrigens: Die Malaria-Prophylaxe ist für viele Regionen Indiens – vor allem in der Regenzeit – ebenfalls ein Thema. Besonders in ländlichen Gebieten und in der Nacht kann Mückenschutz lebenswichtig sein. Das Auswärtige Amt weist darauf hin, dass in den meisten Touristenregionen das Risiko gering ist, aber in den Monaten Juni bis September in Teilen Zentral- und Nordindiens durchaus relevant wird.
Was passiert, wenn Sie zu lange bleiben?
Das ist die Frage, die mir am häufigsten gestellt wird – meist von Leuten, die in Goa "hängengeblieben" sind. Und ehrlich gesagt: Die Antwort ist unangenehm.
Eine Überschreitung des e-Visums (Overstay) wird nicht einfach ignoriert. Die Strafen beginnen mit Geldbußen und können je nach Dauer des Überziehens zu einer Einreisesperre führen. In schweren Fällen – etwa bei einer Überschreitung von mehr als 90 Tagen – droht eine mehrjährige Sperre, die eine spätere Einreise nach Indien praktisch unmöglich macht.
Ich habe von einem Reisenden gehört, der zwei Wochen überzogen hatte und am Flughafen in Delhi erst nach stundenlangen Verhandlungen und der Zahlung einer saftigen Geldstrafe ausreisen durfte. Sein Visum für die nächsten Jahre wurde annulliert. Es ist kein Kavaliersdelikt.
Die gute Nachricht: Wenn Sie die Regel kennen, können Sie sie einhalten. Planen Sie Ihren Aufenthalt großzügig mit Puffer für unvorhergesehene Ereignisse. Und wenn Sie merken, dass Sie länger bleiben müssen, versuchen Sie, vor Ablauf des Visums in ein Nachbarland wie Nepal oder Sri Lanka auszureisen und mit einem neuen Visum zurückzukehren.
Einreise in Indien: Die Checkliste
Zum Schluss habe ich Ihnen die wichtigsten Punkte in einer Checkliste zusammengefasst. Diese Liste hat mir bei meinem zweiten Indien-Trip sehr geholfen – und mir eine Menge Ärger erspart.
- Reisepass: Noch mindestens sechs Monate gültig, zwei freie Seiten.
- e-Visum: Antrag zwischen 30 und 4 Tagen vor der Einreise stellen, Bestätigung ausdrucken.
- e-Arrival Card: Bis zu 72 Stunden vor der Landung online ausfüllen, Bestätigung speichern.
- Impfnachweis: Nur relevant bei Einreise aus Gelbfiebergebiet.
- Unterkunftsadresse: Erste Adresse in Indien parat haben – sowohl fürs Visum als auch für die Ankunftskarte.
- Rückflugticket: Die Einreisebehörde fragt manchmal danach. Es ist nicht immer Pflicht, aber hilfreich, es zur Hand zu haben.
- Geld: Die Einreisebestimmungen erlauben die Einfuhr von Devisen bis zu einem bestimmten Betrag ohne Deklaration – aber ich rate zu einer Deklaration, wenn Sie größere Summen mitnehmen.
Die Einreise nach Indien ist kein Hexenwerk, aber sie verzeiht keine Nachlässigkeit. Die Behörden sind in den letzten Jahren deutlich strenger geworden, und die Digitalisierung der Einreiseformalitäten hat nicht alles einfacher gemacht. Ein Freund sagte mir neulich: "Indien beginnt nicht am Flughafen, sondern bei der e-Arrival Card." Und irgendwie hat er recht. Wer die Formalitäten ernst nimmt, hat den Kopf frei für die eigentliche Reise – für die Farben, Gerüche und das Chaos, das einen am Flughafen von Delhi erwartet.
Und wenn Sie sich einmal am Schalter der Immigration wiederfinden und der Beamte stirnrunzelnd auf Ihren Ausdruck schaut? Atmen Sie tief durch. Es ist Indien. Irgendwie findet sich immer eine Lösung – aber es ist besser, man muss nicht auf diese Lösung hoffen.